Meine Geschichte
Jeder Mensch trägt eine Geschichte in sich. Das ist meine. Sie beginnt mit einem unscheinbaren Funken, einer Erinnerung, die lange Zeit tief in mir schlummerte, bevor sie sich ihren Weg an die Oberfläche bahnte.
Ich gebe zu, ich war kein einfacher Teenager. Heute würde ich mich als regelrechtes Monster bezeichnen. Meine Eltern, am Ende ihrer Weisheit, schickten mich zu meiner Tante nach Amerika. Ein Versuch, mich "auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen", wie sie es nannten. Was sie nicht wussten: Meine Tante und mein Onkel waren alles andere als "normal".
Sie lebten auf einem abgelegenen Berg, zweieinhalb Stunden von San Francisco entfernt, inmitten der Wildnis. Gab es Nachbarn? Ich weiß es bis heute nicht. Der nächste Einkaufsladen war eine Autostunde entfernt. Ihr Haus, selbstgebaut, bezog Strom aus Solarzellen und Wasser aus einem nahegelegenen Bach. Ich erinnere mich noch gut, wie meine Tante mir erklärte, dass ich das Toilettenpapier nicht in die Toilette, sondern in den Eimer daneben werfen sollte – sie hatten eine Sickergrube. Ein Konzept, das mir damals völlig fremd war.
Sechs Wochen, abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Für mich als 13-Jährige der Weltuntergang. Und dann zeigte mir meine Tante meinen Schlafplatz: ein Zelt. Wie sollte es auch anders sein. Auf dem Weg dorthin kamen wir an ihrem Garten vorbei. Ein riesiger, prächtiger Garten, der alles bot, was man zum Leben brauchte. Tee- und Gewürzkräuter, Heilpflanzen, Beerensträucher, Obst und Gemüse im Überfluss. Die Vielfalt an Gerüchen, Formen und Farben war überwältigend. Meine Tante lehrte mich, wie man Ringelblumenöl herstellt, und erklärte mir die wunderbaren Eigenschaften dieser Pflanze. Ich war fasziniert, konnte nicht genug bekommen. Die sechs Wochen vergingen wie im Flug, und ich war traurig, als ich abreisen musste.
Meine Tante und mein Onkel hatten mich in eine Welt entführt, die mir bis dahin unbekannt war. Eine Welt im Einklang mit der Natur, die ihnen alles gab, was sie brauchten. Eine Welt ohne Leistungsdruck, ohne den Zwang nach materiellem Besitz oder gesellschaftlichem Status.
Damals schwor ich mir: Mit 18 kehre ich zurück und lebe so wie sie.
Dieser Traum begleitete mich lange, doch das Leben hatte andere Pläne. Mit der Zeit verblasste die Erinnerung, der Traum geriet in Vergessenheit – bis zu jenem schicksalhaften Abend auf der Mittelmeerinsel.
Glaubt ihr an Zufall, Glück, Bestimmung oder Schicksal? Ich tue es mittlerweile, auch wenn der Sinn mancher Ereignisse sich erst viel später erschließt.
Lange bevor wir auf die Insel zogen, hatte mein Mann ein Grundstück in Montenegro gekauft. Das letzte Grundstück am Berg, mit eigener Wasserquelle, nur über einen Feldweg erreichbar. Direkt an der Grenze beginnt die wilde, unberührte Natur Montenegros. Ein Ort, an dem sich Fuchs und Igel noch gute Nacht sagen. Als er es mir zeigte, war ich fasziniert von der Stille und der umliegenden Natur. Aber an ein Leben dort dachte ich damals nicht im Traum.
Und jetzt ratet mal, wo ich heute bin!
Seit 2018 lebe ich in einer der, für mich, schönsten Regionen Montenegros. Hier darf ich meinen Traum vom selbstbestimmten, unabhängigen Leben endlich verwirklichen.

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